Von der Schule zum Restaurant-Chef

Herr Inphithak war Schüler in der Dr.-Karl-Kroiß-Schule.
Die Dr.-Karl-Kroiß-Schule in Würzburg ist eine Schule für Kinder mit einer Hörbehinderung.
Heute führt Herr Inphithak ein Restaurant in Bad Mergentheim.
Es heißt „Siam Thai“.
Frau Schmidund einige Lehrer haben Herrn Inphithak in seinem Restaurant besucht.
Er hat viel erzählt: Von seiner Schulzeit, von seiner Hörbehinderung und von seinen Plänen.

Das ist sehr interessant! Lest selbst!

Wie war Ihre Kindheit und Schulzeit?

„Ich wurde in Thailand geboren.
Mit ungefähr 9 Monaten kam ich mit meiner Mutter nach Deutschland.
Ich wusste damals nicht, dass ich taub war.
Zuerst war ich im Kindergarten in Helmstadt.
Im Kindergarten konnten die Erzieherinnen sehen: Ich kann nicht mit den anderen Kindern sprechen und ich kann sie nicht verstehen. Da bekam ich Hörgeräte.
Mit 5 Jahren kam ich in die SVE an der Dr.-Karl-Kroiß-Schule.
Ich erinnere mich wenig an den Kindergarten.
Aber ich kann mich an Frau Schmid erinnern.
Sie war damals die Leitung.

Danach war ich in der Grundschule und bekam ein CI.
Anschließend besuchte ich die Mittelschule und war dort im M-Zweig.
Bei der Abschlussfahrt konnte ich leider nicht mitfahren, denn meine Oma war kurz vorher gestorben.
Mit manchen ehemaligen Mitschülern habe ich noch heute Kontakt.“

 

 

Wie ging es nach der Schulzeit weiter?

„Ich ging zuerst mit einem Freund nach München an die FOS.
Dort wohnten wir im Jugendheim.
Das war schwierig für uns. Es war streng, vieles war verboten.
Viele CI-Träger waren damals im BBW in Nürnberg oder München.
Ich wollte etwas anderes machen:
Ich war immer schon ein Computerfreak und Programmieren hat mich sehr interessiert.
Ich wollte eine Ausbildung zum Fachinformatiker machen.
Ich habe 1 Jahr lang ein Praktikum in einer Computerfirma gemacht.
Schon als Praktikant habe ich mehr Aufgaben erledigt als Praktikanten es normalerweise machen.
Die Firma hat mir in dieser Zeit einen Ausbildungsvertrag versprochen.
Aber leider gab es am Ende keinen Ausbildungsvertrag für mich.“

Warum haben Sie dann ein Restaurant eröffnet?

„Das war einfach Zufall.
Ich habe das nicht geplant.
Die Idee kam zusammen mit meiner Familie.
Und dann… erst einmal einatmen, ausatmen und überlegen: Wo will ich anfangen?
Ich habe alles genau überprüft: Wo soll das Restaurant sein?
Woher bekomme ich Lebensmittel? Welche anderen Restaurants gibt es noch?
Was kostet ein Restaurant? …

Ich habe in der Vergangenheit viel durchgemacht.
Viele Menschen haben auf mich als CI-Träger herabgesehen.
Aber das hat mich stark und selbstbewusst gemacht.
Jetzt bin ich Geschäftsmann. Ich habe mit vielen Menschen Kontakt.
Ich habe viele Geschäftspartner. Sie haben Respekt vor mir.
Ich bekomme Anerkennung für das, was ich geschafft habe.
Ich bin ein neuer Mensch. Ich bin nicht mehr der kleine „Pom“.  
So war früher mein Spitzname.“

Sie tragen ein CI.
Wie klappt die Kommunikation mit den Gästen?

„Ich habe sehr viel und gut Übung mit meinem CI, z.B. bei Bestellungen.
Das ist kein Problem.
Meine Mutter hat früher viel das Telefonieren mit mir geübt.
Manchmal gibt es Missverständnisse im Gespräch mit unbekannten Leuten.
Aber die Missverständnisse kommen auch, weil die Leute die thailändischen Gerichte oft nicht richtig aussprechen können.“

Welche Pläne haben Sie für die nächsten Jahre?

 „Ich möchte gerne noch die Ausbildung zum Fachinformatiker machen.
Das ist schon lange mein Traum.
Aber bis dahin muss das Restaurant auch ohne mich funktionieren.
Außerdem soll das Restaurant noch größer werden.“

Haben Sie in der Schulzeit etwas vermisst?
Was kann die Schule besser machen?

„Ehrlich gesagt, wenn ich ganz ehrlich bin: Die Schule war perfekt für mich.
Ich erinnere mich noch gerne an die Schulzeit.“

Haben Sie noch eine lustige Geschichte aus der Schulzeit für uns?

„Ah, da weiß ich etwas.
Mein Freund und ich haben an einem Schulsamstag einmal die Schule geschwänzt.
Aber es war nicht gut geplant: Wir hatten vergessen, unseren Eltern genau Bescheid zu geben.
Unsere Lehrerin fand es heraus.
Sie war sehr sauer, obwohl wir vorher noch nie geschwänzt hatten!
Normalerweise habe ich es immer gehasst, wenn ich krank war.
Ich wollte gerne in die Schule gehen.“

Wir danken Herrn Inphithak für das Gespräch!
Natürlich haben wir das Essen in seinem Restaurant „Siam Thai“ probiert.
Ehrlich gesagt: Es ist sehr lecker!

 

Text: Lehrer der Dr.-Karl-Kroiß-Schule, Fotos: Anke

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