Das Bunte Blatt stellt Fragen zum Thema: Hörschädigung

In den letzten Monaten haben wir über die Themen  „Hören“ und „Hörschädigungen“ geschrieben. Wir haben noch einige Fragen zum Thema: Hörschädigung.

Bubi-fragt

Wir wollen wissen:

Auf welche Schulen gehen Kinder mit einer Hörschädigung?

Wie ist das spätere Berufsleben? Welche Hilfen gibt es?

 

Das Bunte Blatt hat zu diesem Thema zwei Menschen mit einer Hörschädigung befragt: Michael und Eike. Michael arbeitet als Lehrer an der Dr.-Karl-Kroiß-Schule. Eike arbeitet als Heilpädagogin an der gleichen Schule. Die Dr.-Karl-Kroiß-Schule ist eine Schule für Kinder mit einer Hörschädigung.

Hier stellen wir euch unsere Interviewpartner kurz vor:

3bh (5)

Eike, Heilpädagogin und Ergotherapeutin, von Geburt an hochgradig schwerhörig, seit einigen Jahren hat sie 2 Cochlear Implantate

 

 

4b (2)Michael, Sonderschullehrer, von Geburt an beidseitige, an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit, seit 2008 hat er 2 Cochlear Implantate

 

Und diese Fragen haben wir gestellt:

 

Bubi-fragtWelche Kindergärten und Schulen habt ihr besucht?

 

3bh (5)Eike: Ich habe sozusagen alle bayrischen Schulen durchlaufen. In der 1. Klasse war ich hier Schülerin (an der Dr.-Karl-Kroiß-Schule ). Anschließend habe ich die Regelschule besucht. Nach der Grundschule bin ich in die Freie Waldorfschule gekommen. Da war ich 10 Jahre lang. Ich habe den Abschluss der Mittleren Reife gemacht. Danach war ich 2 Jahre lang in München und habe dort an der Fachoberschule das Fachabitur gemacht.

4b (2)Michael: Ich habe in Erlangen den Kindergarten, die Grundschule und das Gymnasium besucht. Das alles waren keine Einrichtungen für Kinder mit einer Hörschädigung. Deshalb hat die Beratungsstelle für Hörgeschädigte in Nürnberg mich im Kindergarten und in der Grundschule betreut.

 

Bubi-fragt

Und nach der Schulzeit?

4b (2)Michael: Nach der Schule habe ich die Lehrerausbildung an der Universität in München gemacht. Seit 1992 unterrichte ich hier in Würzburg an der Dr.-Karl-Kroiss-Schule.

 

Bubi-fragt

Welche Hörhilfen hattest du, bevor du die CI`s (Cochlear Implantate) bekommen hast?

4b (2)Michael: Ich hatte zwei Hörgeräte. Ich habe aber immer nur eins davon getragen. Das andere wollte ich nicht tragen. Ich weiß: da bin ich ein schlechtes Vorbild. 😉 

 

Bubi-fragt

Welche anderen Hilfen für Menschen mit einer Hörschädigung benutzt ihr noch?

3bh (5)Eike: Ich benutze keine weiteren Hilfsmittel. Ich habe nur noch ein besonderes Telefon. Das ist auf mein CI abgestimmt.

4b (2)Michael: Bei mir ist die Liste etwas länger. Ich habe:

  • einen Blitzlicht-Wecker,
  • eine Signal-Licht-Anlage für Telefon und Türklingel
  • eine Induktionsspule unter dem Wohnzimmerteppich zum Fernsehschauen,
  • eine Indiktionsspule als Kopfhörer (benutze ich selten),
  • eine elektrische Trockenbox für meine CI´s (benutze ich oft),
  • Untertitel bei Fernsehsendungen
  • Nässeschutz für die CI´s, weil ich so leicht schwitze

– puh, mehr fällt mir jetzt nicht ein.

 

Bubi-fragt

Wie unterhaltet ihr euch mit anderen Menschen?

3bh (5)Eike: Ich unterhalte mich mit meiner Familie, mit meinen Freunden, mit meinen Kollegen und mit fremden Menschen in der Lautsprache. Wenn aber Schüler die Gebärdensprache brauchen, dann unterhalte ich mich mit diesen Schülern in der Gebärdensprache.

4b (2)Michael: Normalerweise unterhalte ich mich mit anderen Menschen in der Lautsprache. Manchmal unterhalte ich mich auch in der Gebärdensprache mit meiner Frau. Denn: ich höre gar nichts, wenn ich keine CI´s aufhabe, also: in der Nacht, im Schwimmbad, unter der Dusche….

 

Bubi-fragt

Was wichtig, damit ihr euch gut mit anderen Menschen unterhalten könnt?

3bh (5)Eike: Für mich sind ein gutes Mundbild und Blickkontakt wichtig. Ich fühle mich besser, wenn ich nur mich nur mit wenigen Menschen auf einmal unterhalte.

4b (2)Michael: Wichtig ist, dass ich das Thema weiß: über was sprechen die anderen Menschen? Wenn viele Menschen zusammen sind, sollen nicht alle Menschen zur gleichen Zeit durcheinander sprechen. Im Dunkeln ist eine Unterhaltung auch schwierig für mich. Manchmal verstehe ich etwas nicht. Dann muss ich nachfragen. Wenn ich jemanden gut kenne, dann verstehe ich ihn besser. Ich höre mich in die Menschen hinein.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Text: Konni   Bilder: Melanie Duge

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